Der goldene Drache

Die chinesische Bezeichnung für den Drachen ist “lon”. Das Schriftzeichen dafür stammt aus der Orakelknochenschrift der Shang-Zeit (ca. 2000 v. Chr.). Dieses Zeichen wurde in der Bronzeschrift der Chou-Dynastie verwendet und fand Eingang in die höfische Siegelschrift, in die Kurialschrift, in die historische Normalschrift und in die heutige Kursivschrift. Der Drache ist ein Fabelwesen der chinesischen Mythologie. China wird als Heimat der Drachen und als Land der Drachen bezeichnet.

Der Drache galt im alten China als Urahn der Menschen. Er war ein Symbol für Glück, Frieden, Schicksal und himmlische Gnade. In ihm sah man den Boten von Wünschen und Hoffnungen der Menschen an den Himmel und des Segens des Himmels an die Menschen. Das Erscheinen eines Drachen wurde als Vorzeichen für wichtige Ereignisse gewertet. Drachen kündigten die Geburt eines neuen Kaisers an.

In der Han-Dynastie wurde der Drache zum Symbol für Unsterblichkeit, Würde und Weisheit des Kaisers. Der goldene Drache mit fünf Klauen symbolisiert seither die Macht des Kaisers als Sohn des Himmels. Der Drache, der aus dem Meer aufsteigt und in den Wolken schwebt, war geheiligt. Nur der Kaiser und die Priester durften im Tempel dem Drachen opfern und ihn direkt um Hilfe bitten.
Die Herrschaft eines neuen Kaisers begann mit dem Anlegen der Drachen- robe. Die Paläste des Kaisers und seine Tempel waren mit Drachenstatuen, Drachenbildern, mit Drachen auf bemalten Porzellantafeln und Fliesen ausgestattet. Die Kaiser der Ching-Dynastie benutzten Möbel mit Drachen- schnitzereien und Drachenverzierungen aus hellgrüner Jade. Sie kleideten sich in Drachenroben, saßen auf einem Drachenthron und schliefen in einem Drachenbett. Die kaiserlichen Staatsroben in gelb und Zeremonialgewänder in blau und rot waren auf der Vorder- und auf der Rückseite mit Drachen aus Goldstickerei geschmückt. Eine breite, schräg gestreifte, mehrfarbige Bordüre am unteren Saum der Roben symbolisiert die Wellen des Meeres, aus welchen der Drache zum Himmel aufsteigt.